
„Voyager“ ist PJ Harveys erste neue Musik seit drei Jahren: ein Song aus der Sicht der Raumsonde Voyager 2, aufgenommen mit vollem Orchester. Er begann als Demo für ihr nächstes Album und wurde fertig, weil der Physiker Brian Cox sie um ein Stück bat.
PJ Harvey veröffentlichte „Voyager“ am 24. Juni 2026 bei Partisan als eigenständige Single, ihre erste neue Musik seit dem Album „I Inside the Old Year Dying“ von 2023. Der Song soll auch auf ihrem nächsten Album erscheinen, das bislang nicht angekündigt ist. Dazu gibt es ein Video, das Brian Cox und Nic Stacey gemeinsam gedreht haben, und eine limitierte 7-Inch, die es nur im Shop der Künstlerin gibt.
Angefangen hat „Voyager“ als Skizze für das kommende Album. Dann lud Brian Cox Harvey ein, ein Stück für seine Show „Emergence“ zu schreiben. Sie schickte ihm eine Sprachaufnahme des Songs, und er fühlte sich an die Voyager-Sonden erinnert und an die Signale, die sie zur Erde zurückschicken. Harvey war, wie sie selbst sagt, schon lange von den beiden Sonden fasziniert, die 1977 mit Carl Sagans Golden Records starteten und bis heute durch den interstellaren Raum fliegen. Sie recherchierte deren Geschichte und schrieb den Song aus der Perspektive von Voyager 2: als Versuch, sich vorzustellen, was die Sonde sagen würde, wenn sie sprechen könnte.
Aufgenommen wurde mit vollem Orchester in den Miraval Studios in der Provence, die Orchesterbegleitung entwickelte Harvey im Gespräch mit dem Filmkomponisten Dario Marianelli. Das Orchester, so Harvey, gebe ihrer Musik ein Gefühl von Weite. Mehrere Beschreibungen nennen dieselben Bausteine: anschwellende Streicher und pulsierende Synthesizer, die wie Funksignale wirken. Consequence hört eine hallende, raumgreifende Stimme, die das Stück zu einer schwebenden Komposition aufbaut, DIY spricht von einer Klanglandschaft ohne Schwerkraft, in der organische Wärme auf eine kühle Distanz trifft. Inhaltlich geht es um den winzigen, zerbrechlichen Platz der Menschen im All, mit einem Verweis auf Sagans Bild von der Erde als blassblauem Punkt. Der Begleittext zur Veröffentlichung liest den Song am Ende als Aufforderung, sich für Licht und Liebe zu entscheiden.
Da noch kein Album angekündigt ist, steht „Voyager“ vorerst allein, als erster Ausblick auf das, was nach „I Inside the Old Year Dying“ kommt. Clash nennt den Song eine schöne Klangerkundung und schreibt, die Orchestrierung verleihe Harveys Musik eine neue Größe, mit einer Breitwand-Qualität, die in ihrer dichten, verhangenen Schönheit fast an Shoegaze heranreicht. Far Out beschreibt ihn als eindringlich, nachdenklich und filmisch.
Eine Stimme, die so weit weg ist, dass sie die Erde endlich als Ganzes sieht.
„Voyager“ lebt von der Spannung, die mehrere Kritiken beschreiben: Streicher, die Wärme bringen, und Synthesizer-Pulse, die nach kaltem Funkverkehr aus großer Entfernung klingen, darüber eine Stimme, die aus dem All auf uns zurückschaut. Meine Empfehlung: Nachts hören, mit Kopfhörern, am besten zusammen mit dem Video von Brian Cox und Nic Stacey.