
„Thinkin Bout You“ ist im Original ein Liebeslied von Frank Ocean, bei Flea wird daraus eine Ballade ohne Worte. Er spielt die Melodie abwechselnd auf Bass und Trompete, getragen von einem kleinen Streichorchester.
Flea, bürgerlich Michael Balzary, ist seit den frühen Achtzigern der Bassist der Red Hot Chili Peppers. Bevor er zum Bass kam, spielte er Trompete, und der Jazz begleitet ihn seit seiner Kindheit. Mit „Honora“, erschienen am 27. März 2026 bei Nonesuch und benannt nach seiner Ururgroßmutter, hat er daraus sein erstes Soloalbum gemacht: sechs eigene Stücke, vier Neubearbeitungen. „Thinkin Bout You“ ist Titel 8 und kam im Februar als dritte Vorab-Single heraus.
Die Vorlage stammt von Frank Ocean und Shea Taylor und erschien 2012 auf „channel ORANGE“. Flea streicht den Gesang und gibt die Melodie den Instrumenten: Laut NME spielt er die Strophe auf dem viersaitigen E-Bass und wechselt für den Refrain zur Trompete. Anna Butterss legt am Kontrabass den Groove darunter. Die Streicher hat Nate Walcott von Bright Eyes arrangiert, Suzie Katayama dirigiert ein kleines Ensemble aus Violinen, Bratschen, Celli und Kontrabass. Clash hört darin die träumerische, melancholische Grundstimmung des Originals noch verstärkt, No Treble nennt das Ergebnis filmisch und zart. Flea selbst erzählt, „channel ORANGE“ habe ihn damals umgehauen, er habe die Platte unzählige Male gehört. Er wollte den Song auf der Trompete spielen, weil es ihm Spaß machte, und vor allem die schlichte Schönheit der Melodie freilegen. Walcotts Streichersatz, sagt er, habe daraus etwas sehr Schönes gemacht.
Auf „Honora“ steht der Song neben drei weiteren Neubearbeitungen: Funkadelics „Maggot Brain“, Jimmy Webbs „Wichita Lineman“ mit Nick Cave und dem Standard „Willow Weep for Me“. NME nennt ihn den stärksten Moment des Albums und vergleicht seine Wirkung mit einem warmen Bad nach einem langen Lauf. In der Gesprächsrunde von Atwood Magazine beschreibt ein Autor ihn als beinahe klassische Ballade, in der die Trompete die Rolle der Stimme übernimmt und die Streicher sinfonische Weite bringen. Ein anderer hört in den melancholischen Trompeten eine Verbindung von aktuellem R&B und Jazztradition. Ein dritter merkt an, wer den Song zuerst höre, könne „Honora“ für ein reines Coveralbum halten.
Ein Liebeslied ohne Worte, gesungen von Bass und Trompete.
„Thinkin Bout You“ zeigt Flea als Interpreten, der sich ganz in den Dienst eines fremden Liedes stellt. Er nimmt ihm die Worte und lässt die Melodie allein sprechen, auf zwei Instrumenten, die er beide seit seiner Jugend spielt. Meine Empfehlung: Wer „Honora“ behutsam betreten will, beginnt hier.