
„in the red“ ist das Stück, an dem Ryuichi Sakamotos Album „out of noise“ am weitesten ins Geräusch hinübergleitet. Mit drei Gitarristen an seiner Seite, darunter Christian Fennesz, lässt Sakamoto die Töne hier lange stehen und spät auflösen.
„out of noise“ erschien am 4. März 2009 auf Sakamotos eigenem Label commmons, laut Tower Records Japan sein erstes Soloalbum mit eigenen Stücken seit „CHASM“ von 2004. Es ist ein reines Instrumentalalbum, nach Angaben des Labels das erste seiner Soloplatten ganz ohne Synthesizer, getragen von Klavier und Naturklängen. Ein Teil entstand nach einer Reise mit dem Cape Farewell Project nach Grönland. „in the red“ steht an vierter Stelle.
Das Album kreist um eine Frage, die Sakamoto in Interviews immer wieder stellte: Wo hört ein Ton auf und wo beginnt Geräusch? Er beschrieb, wie ein ausklingender Klavierton allmählich ins Rauschen übergeht, ohne dass sich eine Grenze ziehen ließe. „in the red“ ist das Stück, an dem diese Idee am deutlichsten wird. Neben Sakamoto an Klavier, Keyboards und Elektronik spielen hier Christian Fennesz und Keigo Oyamada Gitarre, Ren Takada steuert Pedal-Steel-Gitarre und Effekte bei. PopMatters beschreibt, wie die Gastmusiker den Klang mitformen und die Töne in diesem Stück länger gehalten werden und sich langsamer auflösen als auf dem Rest der Platte. Das Stück ist instrumental.
Im Gespräch mit Classical Archives stimmte Sakamoto der Beschreibung zu, dass „out of noise“ nah am Klavieralbum „Playing the Piano“ beginnt, sich mit „in the red“ und „tama“ in der Mitte am stärksten dem Geräusch nähert und zum Ende wieder zur Musik zurückkehrt. PopMatters nennt das Album schwerer zu fassen als „Playing the Piano“, aber womöglich lohnender, und hebt „in the red“ gemeinsam mit „hwit“ hervor. AllMusic beschreibt die Platte als Folge minimalistischer Tastenstücke, die von elektronischem Rauschen, Umgebungsklängen und gefundenen Stimmen durchbrochen werden. Audiophile Audition findet die erste Hälfte des Doppelpacks zugänglicher, auf „out of noise“ aber die faszinierenderen Klänge.
Ein Stück, in dem Töne so lange stehen bleiben, bis man sie nicht mehr von Geräusch unterscheiden kann.
„in the red“ ist der Wendepunkt von „out of noise“: das Stück, an dem Sakamoto seine Frage nach der Grenze zwischen Ton und Geräusch am weitesten treibt, mit Fennesz und Oyamada als Partnern. Meine Empfehlung: spät am Abend und laut genug hören, dass auch das Nachklingen ankommt, am besten im Zusammenhang mit „still life“ davor und „tama“ danach.