
„Graveyard“ ist ein Lied über einen Toten, der seinen eigenen Körper wiedererkennt. Adrian Welham hat es nach einem Traum geschrieben, und für viele Hörer ist es der Höhepunkt des zweiten Forest-Albums.
Forest kommen aus Grimsby: die Brüder Martin und Adrian Welham und ihr Schulfreund Derek „Dez“ Allenby. 1968 ziehen sie nach Birmingham und gehören bald zu den ersten Bands auf EMIs progressivem Label Harvest. „Graveyard“ steht auf ihrem zweiten und letzten Album „The Full Circle“ von 1970, als achter von zehn Titeln.
Welham hat das Lied nach einem Traum geschrieben, in dem er sich selbst tot unter einem Vollmond liegen sah. Genau davon erzählt es: Ein Geist kehrt zurück und erkennt den Körper, in dem er einmal gelebt hat. Getragen wird das von sehr wenig. Welham singt und spielt akustische Gitarre und Cello, dazu legen er, sein Bruder Martin und Allenby drei Blechflöten übereinander. Das klingt nach mittelalterlichen Spielleuten, verspielt in den Flöten und zugleich unheimlich, auch weil der Gesang seltsam entrückt bleibt. Terrascope beschreibt den Charakter des Stücks als neoklassisch.
Unter den zehn Songs der Platte wird „Graveyard“ immer wieder als herausragend genannt, in Rezensionen bei Prog Archives ebenso wie in Rückblicken auf das Album. Ein Rezensent dort findet es sehr schön und zugleich zugänglich. Vinyl Writers beschreibt es als bezaubernd und rätselhaft, mit einem Hang zum Makabren. BBC-Moderator Bob Harris mochte es besonders, die Band spielte es bis zuletzt live, und 2004 nahm Castle Records es in die Acid-Folk-Sammlung „Gather in the Mushrooms“ auf.
Ein Gespenst, drei Flöten und ein Cello. Mehr braucht dieses Lied nicht.
„Graveyard“ zeigt in knapp sechs Minuten, wie viel sich mit alten Folkformen und sparsamer Besetzung erzählen lässt. Meine Empfehlung: für alle, die Lieder mögen, die eher flüstern als laut werden. Am besten an einem Herbstabend, mit dem Telefon in einem anderen Raum.