
„Geordie“ ist eine alte britische Ballade über einen Mann, dem der Galgen droht, bei Trees wird daraus ein dunkles Folk-Rock-Stück mit psychedelisch gefärbter Gitarre. Mehr als drei Jahrzehnte später lieh sich Danger Mouse einen Groove daraus für Gnarls Barkleys „St. Elsewhere“.
Trees waren eine Folk-Rock-Band aus London, die im Frühjahr 1969 zu proben begann: Sängerin Celia Humphris, Barry Clarke an der Leadgitarre, David Costa an der zwölfsaitigen Gitarre, Bias Boshell am Bass und Unwin Brown am Schlagzeug. Ihr zweites und letztes Album „On the Shore“ entstand im Oktober 1970 in den Sound Techniques Studios in Chelsea, produziert von Tony Cox, das Cover gestaltete Storm Thorgerson von Hipgnosis. „Geordie“ ist der siebte von zehn Titeln und eröffnet die zweite Plattenseite.
„Geordie“ ist ein traditionelles Lied, in den Sammlungen als Child-Ballade Nr. 209 geführt. Laut Wikipedia orientierten sich Trees an der Fassung von Joan Baez, Stewart Lee schreibt in seinen Liner Notes zur Neuauflage, die Band habe das Lied aus den Folkclubs gekannt und regelmäßig live gespielt.
Die Ballade erzählt von einem jungen Mann, der hängen soll, weil er Wild aus dem königlichen Forst gestohlen und verkauft hat. Ein Erzähler wird Zeuge, wie eine junge Frau um ihn trauert und um sein Leben bittet. Die englischen Fassungen enden meist mit der Hinrichtung, und auch die Version von Trees lässt laut einer Rezension bei Prog Archives keinen Raum für Begnadigung.
Gesungen wird das Stück von Celia Humphris. Prog Archives hört kräftigen Gesang über hell klirrenden, psychedelisch gefärbten Gitarren, der Blog Reading between the Grooves beschreibt die Stimmung als ruhig und düster. Im Zentrum steht Barry Clarkes Leadgitarre: Stewart Lee nennt sein Spiel brillant und hört darin schon die New Yorker Gitarristen der Mitte der Siebziger, Reading between the Grooves den Einfluss des frühen Richard Thompson. Nach etwa zweieinhalb Minuten finden Clarke und Schlagzeuger Unwin Brown zu einem Groove, den Danger Mouse später sampelte, so der Blog Music Aficionado.
Stewart Lee zählt „Geordie“ zu den starken traditionellen Stücken der Platte, gespielt mit derselben beherrschten Leidenschaft wie „Streets of Derry“ und „Polly on the Shore“. Uncut ist zurückhaltender: Humphris singe solche Standards nicht mit der Überzeugungskraft von Shirley Collins oder Anne Briggs, klinge auf dem zweiten Album aber nicht mehr wie jemand, der eine Folksängerin nachahmt. Seine späte Bekanntheit verdankt der Song Gnarls Barkley: Danger Mouse verwendete ihn 2006 im Titelstück von „St. Elsewhere“, was laut Wikipedia und Fire Records das Interesse an Trees neu weckte.
Eine Ballade über den Galgen, getragen von einer Gitarre, die schon nach vorn blickt.
„Geordie“ verbindet eine jahrhundertealte Geschichte mit einer elektrischen Gitarre, die die Kritik ihrer Zeit voraus hört, und zeigt so, wie Trees Folk-Tradition und Psychedelik zusammenbrachten. Meine Empfehlung: Erst diesen Song hören, dann direkt „St. Elsewhere“ von Gnarls Barkley, um zu erleben, wie weit ein altes Volkslied reisen kann.